Adventgemeinde Gießen
Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten
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15.10.2018

[Das Himmelreich] gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten säte; und es wuchs und wurde ein Baum, und die Vögel des Him­mels wohnten in seinen Zweigen. Lukas 13,19   Dieses Bild, das Jesus vom unscheinbaren Beginn des Reiches Gottes malte, stand offenbar Pate bei Gerhard Schönes Lied „Alles muss klein beginnen“ (ghs 604). Es hat - begleitet von den markanten Geräuschen - seit 1987 Kinderherzen erobert. Schöne, als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Sachsen geboren, durfte wegen seiner kritischen Töne und der Wehrdienstverweigerung in der DDR (er wurde Bausoldat) kein Direktstudium aufnehmen. Stattdessen arbeitete der Liedermacher bei der Deut­schen Post und half einem Pfarrer in der Kinder- und Jugendarbeit. Er erhielt viele Preise und blieb immer den Kin­dern zugewandt (von denen er selber sechs hat). Er sagte: „Meine Lieder sollen Lebenszeichen sein. Sie sollen ansingen gegen alles, was Leben einschränken oder verhindern will, in uns und um uns herum.“ 1987 trat Gerhard Schöne auf dem ersten Kirchen­tag in der DDR seit dem Mauerbau 1961 auf und sang unter Beifall das Lied „Jesu, meine Freude“. Er hatte den Text der Zeit angepasst mit Formulierungen wie: „Du warst eingemauert; du hast überdauert Lager, Bann und Haft ... Wer dich foltert und erschlägt, hofft auf deinen Tod vergebens, Samenkorn des Lebens.“ (ghs 465,2) Auch hier taucht das Bild vom kleinen Samenkorn wieder auf und deckt sich mit dem, was Jesus über sich selbst gesagt hatte, nämlich, dass er als Samenkorn sterben und viel Frucht bringen wür­de. Schönes Lieder waren nicht nur frühe Beiträge zur späteren friedlichen Revolution, die in Deutschland die Wende brachte. Sie führen uns auf das Reich Got­tes zurück. Auch unser Leben kann ein Keim für das Werk Gottes in unserer Zeit sein. Wir dürfen uns über klei­ne Ansätze der Veränderung in unserem Leben freu­en, aus denen Großes werden kann. Wir dürfen das stille Wachstum von Gottes Reich wahrnehmen, auch wenn es wenig spektakulär ist. Einem hingerichteten Leiter und seinen elf verunsicherten Nachfolgern hät­te niemand zugetraut, dass sie eine weltverändernde Bewegung auslösen würden. Gottes Wege sind viel größer und langfristiger angelegt, als wir oft denken. Die mitunter unscheinbar kleinen Entwicklungen in unserer Glaubenswelt sollen uns Hoffnung machen, denn „alles muss klein beginnen“. Matthias Müller                            

Text © Advent-Verlag Lüneburg  mit freundlicher Genehmigung. Die hier gezeigten Artikel stammen aus dem Kalender für das Jahr 2017.